Kleingewerbe

Mit dem Kleingewerbe in die Selbstständigkeit starten

Kleingewerbe – was ist das und wem nützt es? Bei einer Existenzgründung wird häufig die Form des Kleingewerbes genutzt, aber der Begriff „Kleingewerbe“ verwendet. Wichtig ist zu wissen, dass unterschieden werden muss, ob ein Kleinunternehmen gegründet wird oder ob wirklich ein Gewerbe gemeint ist. Der Gewerbeschein ist in Österreich nötig, um einen Nachweis zu haben, dass ein bestimmtes Gewerbe ausgeübt werden darf. Der Gewerbeschein selbst hat also nichts mit der Rechtsform des Unternehmens zu tun und beeinflusst auch nicht, ob das Unternehmen in die Kleinunternehmerregelung fällt, oder nicht.

Bei der Gewerbeanmeldung ist zu unterscheiden ob es sich um ein freies oder reglementiertes Gewerbe handelt. Je nach dem ist es nötig die Anmeldung formlos durchzuführen oder umfassende Unterlagen und persönliche Termine wahrzunehmen.

Kleingewerbe - häufig nützlich beim Start-Up

Wie werden ein Kleinunternehmen und das Gewerbe angemeldet?

Wer sich selbstständig machen möchte und das zumindest vorläufig im kleinen Rahmen tun will, startet meist mit einem Einzelunternehmen. Das Einzelunternehmen ist die einfachste Rechtsform. Bei ihr wird kein Stammkapital benötigt, es handelt sich um eine Personengesellschaft. Gleichzeitig ist zu beachten, dass dafür auch mit dem Privatvermögen gehaftet wird, sollte das Unternehmen in finanzielle Probleme geraten.
Wir müssen somit zwei Aspekte getrennt betrachten:

  1. Gründung des Unternehmens
  2. Anmeldung des Gewerbes

Gründung eines Einzelunternehmens

Die Unternehmensgründung erfolgt bei einem Einzelunternehmen schnell und unkompliziert. Am einfachsten ist es, wenn Du zum nächstgelegenen Standort der Wirtschaftskammer (WKO) gehst und dort das Unternehmen direkt vor Ort anmeldest. Ein kurzes Gespräch, einige Formulare und schon ist die Unternehmensgründung erledigt. Dieser Vorgang ist an einigen Standorten sogar ohne Terminvereinbarung möglich. Ein Notariatsakt, wie er bei der Gründung einer GmbH verlangt wird, entfällt. Die Kosten für die Gründung des Einzelunternehmens sind minimal. Es gibt einige Gebühren zu entrichten, doch wenn diese Unternehmensgründung Dein erstes Unternehmen ist, kannst Du dafür direkt eine Förderung beantragen, durch die diese Kosten abgedeckt werden. Dieser Vorgang ist ebenfalls direkt bei der Wirtschaftskammer möglich.

Name des Einzelunternehmens

Wenn Du Dich für ein Einzelunternehmen entscheidest, bist Du bei der Wahl des Namens eingeschränkt, denn grundsätzlich muss das Einzelunternehmen so heißen wie Du, ergänzt beispielsweise noch um „Werbeagentur“. Du kannst allerdings eine andere Firma, also eine andere Bezeichnung, verwenden, solange beispielsweise auf Briefpapier und im Impressum immer korrekte Daten angeführt werden.

Eintragung im Firmenbuch

Das Einzelunternehmen kann im Firmenbuch eingetragen werden, es muss aber nicht. Wird das Unternehmen eingetragen, so erhält es zum Namen den Zusatz „e.U.“ für „eingetragenes Unternehmen“. Die Eintragung ist mit Kosten verbunden und für die meisten Einzelunternehmer nicht nötig, da es meist keinen besonderen Grund gibt, unbedingt im Firmenbuch aufzuscheinen.

Steuern beim Einzelunternehmen

Nachdem du das Einzelunternehmen angemeldet hast, bekommst Du sofort mit dem Finanzamt zu tun. Gefragt werden gleich einmal nach Schätzungen der voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben beziehungsweise nach dem Gewinn. Hier solltest Du ehrliche, aber vorsichtige Angaben machen. Beachte insbesondere auch die Grenzen hinsichtlich der Umsatzsteuer, sofern Du von der Umsatzsteuer befreit sein möchtest, sprich die Kleinunternehmerregelung nutzen willst.

Kleinunternehmerregelung – Umsatzsteuer

Dein Unternehmen ist ein Einzelunternehmen – das ist die Rechtsform, die Du angemeldet hast. Die „Kleinunternehmerregelung“ besagt, dass Du keine Umsatzsteuer in Rechnung stellst und auch im Gegenzug keine Vorsteuer abziehen darfst. Diese Möglichkeit kannst Du nutzen, solange Du unter 30.000 Euro Umsatz pro Jahr erzielst. Die Begriffe „Kleinunternehmerregelung“ und „Einzelunternehmen“ dürfen also nicht verwechselt werden.

Tipp!

Das sevDesk Buchhaltungsprogramm unterstützt dich bei der Erfassung der Umsatzsteuer und erstellt die Voranmeldung automatisch basierend auf deinen Eingangs- und Ausgangsrechnungen. Zusätzlich sendest du mit nur einem Klick und mit Hilfe der integrierten ELSTER-Schnittstelle eine korrekte Einnahmen-Ausgaben-Rechnung direkt aus sevDesk an das Finanzamt.

 

Einkommenssteuer

Als Einzelunternehmer benötigst Du eine vergleichsweise einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Du kannst die betrieblich bedingten Ausgaben also von den Einnahmen abziehen. Übrig bleibt am Jahresende hoffentlich ein Jahresüberschuss. Dieser wird, nach Berücksichtigung eines Freibetrages, mit der progressiven Einkommenssteuer von Dir als Privatperson versteuert. Die Höhe des Einkommens musst Du mit Deiner Einkommenssteuererklärung dem Finanzamt melden. Die Steuer zahlst somit Du als Einzelunternehmer und nicht das Unternehmen selbst.

Anmeldung des Gewerbes

Zusätzlich zur Gründung des Unternehmens musst Du auch ein Gewerbe anmelden. Durch die Gewerbeberechtigung bist Du dann befugt, dieses Gewerbe auszuüben. Es gibt reglementiere und freie Gewerbe, sowie einige Spezialfälle bei denen besonders komplexe Genehmigungen nötig sind (z.B. Teile der Pharma-Branche). Freie Gewerbe können ohne Befähigungsnachweis angemeldet werden. Dies ist etwa möglich, wenn eine Werbeagentur gegründet werden soll. Anders verhält es sich bei den reglementierten Gewerben. Bei diesen Gewerbeformen muss geprüft werden, ob Du die Voraussetzungen erfüllst um den Gewerbeschein zu erlangen. Das kann je nach individueller Situation unterschiedlich geprüft werden, etwa indem ein Universitätsabschluss nachgewiesen wird oder auch in einem persönlichen Gespräch vor Ort. Bei einem freien Gewerbe funktioniert die Anmeldung besonders einfach. Du kannst sie mittlerweile sogar direkt online durchführen. Dieser Prozess ist zwar auch noch immer mit einigen Formularen und Bürokratie verbunden, doch insgesamt klappt es schnell und gut.

Achtung: Starte die unternehmerische Tätigkeit erst, wenn Du wirklich die Genehmigung vorliegen hast!

Selbstverständlich kannst Du auch mehrere Gewerbescheine haben. Das macht oftmals Sinn, wenn Deine Tätigkeiten in unterschiedliche Bereiche fallen. Denken wir beispielsweise an Handwerker, die verschiedene Arbeiten erledigen können und auch das nötige Fachwissen mitbringen.

Rechnungslegung, Buchhaltung und Bilanzierung im Einzelunternehmen

Selbstverständlich muss auch beim kleinsten Einzelunternehmen die Buchhaltung mit größter Sorgfalt und Genauigkeit geführt werden. Wenn die Kleinunternehmerregelung genutzt wird, entfällt das Abführen der USt-Zahllast an das Finanzamt. Ansonsten muss auch ein Einzelunternehmen – je nach Höhe des Umsatzes – die Umsatzsteuerzahllast monatlich oder quartalsweise entrichten.



Die Buchhaltung erfolgt in Form der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Es ist somit keine doppelte Buchhaltung nötig, außer das Einzelunternehmen erzielt hohe Umsätze im sechsstelligen Bereich. Wenn das der Fall ist, solltest Du allerdings ohnehin überlegen zur besseren Übersichtlichkeit freiwillig zur doppelten Buchführung zu wechseln.

Die Buchhaltung ist in dieser Form, mit der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, vergleichsweise simpel. Wichtig ist, dass Du immer den Überblick behältst und alle Belege sieben Jahre aufbewahrst, denn Du hast gegenüber dem Finanzamt die Pflicht diese Rechnungen nicht zu löschen oder wegzuwerfen, sondern griffbereit zu haben.
Der Jahresüberschuss ermittelt sich direkt aus der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Es wird somit kein Jahresabschluss mit einer Bilanz erstellt, wie es bei einer GmbH der Fall wäre.

Weitere wichtige Details rund um das Einzelunternehmen

Haftung/Startkapital bei der Gründung des Einzelunternehmens

Der Einzelunternehmer haftet mit seinem gesamten Privatvermögen. Das bedeutet, dass wenn das Unternehmen verschuldet ist, beispielsweise im schlimmsten Fall Deine Eigentumswohnung herangezogen werden kann, um diese Schulden zu decken. Vorteilhaft ist dafür, dass für die Gründung des Einzelunternehmens kein Stammkapital benötigt wird.

Die Geschäftsführung

Die Verantwortung für das Unternehmen trägt alleine der Einzelunternehmer selbst. Er wird, anders als bei der GmbH, nicht als Geschäftsführer bezeichnet, erfüllt de facto aber genau diese Tätigkeit, da er sich schlussendlich um alle Belange des Unternehmens kümmert.

Achtung!

Die Einzelunternehmer müssen jegliche Korrespondenz und alle Zahlungsbelege aufbewahren, die mit Geschäftsvorgängen verbunden sind. Hier gelten die üblichen Aufbewahrungspflichten, die auch in Firmen gelten, die keine Kleinunternehmerregelung nutzen oder Einzelunternehmer sind. Selbstverständlich ist der Kleingewerbetreibende dazu verpflichtet eine ordnungsgemäße Rechnung auszustellen. Wie das geht, zeigen wir dir hier!

 

Die Vor- und Nachteile des Einzelunternehmens auf einen Blick

  • Ein Einzelunternehmen kann formlos und kostengünstig gegründet werden
  • Es ist kein Startkapital notwendig für die Gründung – jedoch haftet der Kleingewerbetreibende mit seinem Privatvermögen.
  • Der Einzelunternehmer ist bei der Firmierung seines Unternehmens bzw. der Namensgebung eingeschränkt.
  • Es ist eine einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung vollkommen ausreichend – keine doppelte Buchhaltung nötig!
  • Nicht vergessen: Eine Gewerbegenehmigung wird benötigt!

Der Unternehmensfortbestand im Kleingewerbe

Sollte das Unternehmen aufgegeben werden, dann kann der Kleingewerbetreibende die wesentlichen Betriebsmittel veräußern oder aber in sein Privatvermögen übertragen – hier sind allerdings steuerliche Aspekte zu berücksichtigen. Ein Einzelunternehmen kann außerdem nicht verkauft werden. Es können allerdings Güter, bestimmte Rechte oder auch abgetrennte Teilbetriebe veräußert werden.


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Kleingewerbe und/oder Kleinunternehmer?

Die Begriffe Kleingewerbe sowie Kleinunternehmer werden oft synonym verwendet bzw. verwechselt. Nochmal ganz konkret zusammengefasst:

Gegründet wird ein Einzelunternehmen. Dieses kann in die Kleinunternehmerregelung fallen (Umsatzgrenze beachten). Auf jeden Fall ist eine Gewerbeberechtigung nötig, um die Tätigkeit ausführen zu dürfen. Eine besondere Ausnahme wäre eine Tätigkeit, die im Ausmaß so gering ist, dass der Gewinn im Bereich von unter knapp 5.360 Euro liegt – in diesem Fall musst Du Dich nicht bei der SVA versichern. Tätigkeiten, die nur ganz selten ausgeführt werden, wenn Du beispielsweise nur einmalig eine Übersetzung erledigst, können per Honorarnote abgerechnet werden – ohne Gewerbeberechtigung, solange es eine freie Tätigkeit ist.