Kostenvergleichsrechnung

Die Kostenvergleichsrechnung ist eine Methode der statischen Investitionsrechnung. Sie wird vor allem bei einfach vergleichbaren Investitionsgütern herangezogen, bei denen keine komplexeren Kalkulationen nötig sind.

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Definition: Kostenvergleichsrechnung

Bei der Kostenvergleichsrechnung werden verschiedene Investitionsoptionen gegenübergestellt und anhand ihrer Kosten verglichen. Andere Einflussfaktoren bleiben dabei unberücksichtigt. Dementsprechend ist die sie meist sehr einfach durchführbar und eine nützliche Methode der Investitionsrechnung.
Unterschieden wird, ob die Kosten einer Periode oder die Kosten pro Stück verglichen werden. Der Vergleich pro Stück beziehungsweise pro erstellte Einheit macht dann Sinn, wenn die verschiedenen Vergleichsobjekte unterschiedliche Stückzahlen leisten können. Ein konkretes Beispiel ist, wenn zwei Maschinen verglichen werden und eine Maschine in der Lage ist, eine höhere Stückzahl innerhalb derselben Periode zu produzieren. In so einem Fall dürfen nicht die Kosten pro Jahr verglichen werden, sondern die Berechnung muss auf Basis der Kosten pro Stück erfolgen.

Kostenvergleichsrechnung Definition
Definition der Kostenvergleichsrechnung

Vorteile der Kostenvergleichsrechnung

Die Kostenvergleichsrechnung ist eine vergleichsweise einfache, statische Berechnung und Teil der Investitionsrechnung. Sie kann sehr schnell durchgeführt werden, da auch die benötigten Daten für die Kalkulation typischerweise für den Vergleich sofort vorliegen. Außerdem kann der Kostenvergleich als Grundlage dienen, um erste Alternativen ausscheiden zu lassen und weitere Berechnungen (z.B. Gewinnvergleichsrechnung) anzustellen.

Kritische Menge in der Kostenvergleichsrechnung

Einer der zentralen Faktoren der Kostenvergleichsrechnung ist die kritische Menge. Sie gibt an, bei welcher Menge die verglichenen Optionen gleich gut sind bzw. ab welcher Menge eine der beiden Optionen der anderen überlegen ist.
Ein klassisches Beispiel für diese Überlegung wäre, ab welchem Zeitpunkt es besser ist, einen Benziner statt eines Autos mit Diesel-Motor zu kaufen.

Praxisbeispiel:
Die Kosten für ein Fahrzeug mit Diesel-Antrieb sind in der Anschaffung höher. Dadurch ist auch die Abschreibung entsprechend höher ansetzbar. Gleichzeitig sind die laufenden Kosten pro Kilometer geringer. So kann einfach ermittelt werden, ab welcher Kilometeranzahl pro Jahr welche Antriebsart günstiger ist.

Berücksichtigte Kosten in der Kostenvergleichsrechnung

Um die verschiedenen Investitionsalternativen objektiv gegenüberstellen zu können, werden pagatorische Kosten und kalkulatorische Kosten einbezogen.

  • Pagatorische Kosten
    Bei den pagatorischen Kosten handelt es sich kurz gesagt um jene Kosten, die sich mit der Menge der hergestellten Stück verändern. Ein naheliegendes Beispiel sind somit die Materialkosten und Lohnkosten. Zur Ermittlung wird die Menge der produzierten Stück mit den variablen Kosten pro Stück multipliziert.
  • Kalkulatorische Kosten
    Zu den kalkulatorischen Kosten gehören die kalkulatorischen Zinsen und die kalkulatorische Abschreibung. Bei den Zinsen wird durch Anschaffungswert, Restwert und der Angabe der Jahre ermittelt, wie viel Kapital durchschnittlich durch die Investition gebunden ist. Die Abschreibung selbst wird anhand von Anschaffungswert und Nutzungsdauer berechnet.

Arten der Kostenvergleichsrechnung

Nun werden wir dir die beiden Arten der Kostenvergleichsrechnung, die periodenbezogene und die stückkostenbezogene Berechnung, näher vorstellen und auch auf die jeweiligen Berechnungsarten eingehen.

Berechnung Kostenvergleichsrechnung
Arten der Kostenvergleichsrechnung

Periodenbezogene Kostenvergleichsrechnung

Bei der periodenbezogenen Kostenvergleichsrechnung werden jene durchschnittlichen Kosten, die innerhalb einer Periode, also beispielsweise innerhalb eines Jahres, anfallen, verglichen. Die Kosten beinhalten somit die fixen Kosten, variable Kosten, kalkulatorische Abschreibung und die kalkulatorischen Zinsen.
Um die periodenbezogene Kostenvergleichsrechnung anschaulicher darzustellen, ziehen wir als Beispiel heran, dass zwei Produktionsmaschinen miteinander verglichen werden sollen.

Definition Fixe Kosten

Die fixen Kosten sind all jene Kosten, die unabhängig davon anfallen, wie viele Stück produziert werden. In unserem Beispiel können das etwa Wartungskosten sein, die einmal jährlich fix anfallen, egal ob die Maschine genutzt wird oder stillsteht.

Berechnung variabler Kosten

Die variablen Kosten werden üblicherweise pro Stück angegeben. Bei einer Maschine in der Produktion kann das etwa bedeuten, dass pro hergestelltem Stück Kosten in Höhe von € 1 entstehen. Die Kosten pro Stück werden mit der Produktionsmenge multipliziert, beispielsweise werden 10.000 Stück pro Jahr hergestellt, so liegen die gesamten variablen Kosten bei 10.000 Euro.

Berechnung der kalkulatorischen Abschreibung

Bei der kalkulatorischen Abschreibung kann der Restwert entweder berücksichtigt werden oder unberücksichtigt bleiben. Unter dem Restwert versteht man jenen Wert, den beispielsweise eine Maschine noch hat, nachdem die Nutzungsdauer abgelaufen ist. Wenn eine Maschine etwa auf zehn Jahre abgeschrieben wird, nach dieser Dauer aber nicht kaputt ist, hat sie zwar de facto keinen Restbuchwert mehr, in der Realität ist aber noch ein gewisser Wert vorhanden.

Formel: Abschreibung mit Restbuchwert
Die Abschreibung wird ermittelt, indem vom Anschaffungswert der Anlage der Restbuchwert zum Ende der Nutzungsdauer abgezogen wird. Das Ergebnis wird durch die Nutzungsdauer in Jahren dividiert.

Abschreibung = AW – RBW (n) / ND in Jahren

So wird auch der Restbuchwert bereits in der Formel berücksichtigt. Grundsätzlich kann die lineare Abschreibung auch ohne Berücksichtigung des Restbuchwertes ermittelt werden. Wenn du aber vor einer Investitionsentscheidung stehst, sollte der Restbuchwert beachtet werden. Schließlich kann es sein, dass eine Maschine am Ende der Nutzungsdauer noch mehr wert ist, als die andere Maschine, was deine Investitionsentscheidung durchaus beeinflussen kann.

Berechnung der kalkulatorischen Zinsen

Bei der Ermittlung der kalkulatorischen Zinsen stellt sich primär die Frage, wie viel Kapital durchschnittlich für die Investition gebunden ist.

Formel: Kalkulatorische Zinsen
Die Berechnung erfolgt also folgendermaßen: Anschaffungswert und Restwert am Ende der Nutzungsdauer werden addiert. Die Summe wird durch zwei dividiert und das Ergebnis wird mit dem kalkulatorischen Zinssatz multipliziert.

Kalk. Zinsen = (AW + RWB (n) / 2) x i

Der kalkulatorische Zinssatz „i“ kann beispielsweise der Zinssatz sein, der für einen Kredit bezahlt wird, der aufgenommen wird um die Maschine zu finanzieren.

Ergebnis der periodenbezogenen Kostenvergleichswerte

Das Ergebnis der Berechnung zeigt auf, welcher der Investitionsalternativen rein aus kostentechnischer Sicht vorteilhaft ist. Der Vergleich ist damit etwas einseitig, da die Erlössituation bei einer reinen Betrachtung der Kosten keine Beachtung geschenkt wird.

Stückkostenbezogene Kostenvergleichsrechnung

Wird in der Berechnung nun auch noch berücksichtigt, dass die Maschinen eine unterschiedliche Ausbringungsmenge haben, kann sich das Gesamtergebnis nochmals deutlich ändern.
Die Gesamtkosten wurden bereits für beide Maschinen ermittelt. Nun werden diese durch die maximale Ausbringungsmenge dividiert, um die Kosten pro Stück zu kennen. Mit diesem einfachen zusätzlichen Schritt werden die Investitionsalternativen nochmals deutlich besser vergleichbar.

Berechnung mit Excel

Wenn du selbst eine Kostenvergleichsrechnung anstellen möchtest, kannst du das in Excel schnell, einfach und übersichtlich machen. In tabellarischer Form kannst du die verschiedenen Daten (Anschaffungskosten, Nutzungsdauer usw.) so eintragen, dass du alle Felder mit Formeln verknüpfen kannst.

Wenn nur die Felder mit den individuellen Daten der Vergleichsobjekte eingegeben werden müssen und alle weiteren Berechnungen durch die hinterlegten Formen erfolgen, sparst du besonders viel Zeit. So kannst du dann die einmal erstellte Vorlage immer wieder für alle Vergleiche verwenden und auch viele Alternativen schnell miteinander vergleichen.

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Kritik an der Kostenvergleichsrechnung

Der zentrale Kritikpunkt an der Kostenvergleichsrechnung ist, dass durch die statische Betrachtung nur eine relative Vorteilhaftigkeit ermittelt werden kann. Konkret bedeutet das, dass zwar berechnet werden kann, bei welcher Investition die Kosten niedriger sind, aber nicht ermittelt wird, welche Gewinn-Chancen die Investitionen mit sich bringen.
So wäre es beispielsweise denkbar, dass eine Maschine zwar höhere Kosten verursacht als eine andere, dafür aber auch der Output besser ist. Die produzierte Qualität könnte höher sein und somit auch der erzielbare Preis für die hergestellten Produkte. Deshalb ist die Kostenvergleichsrechnung eine Berechnung, die idealerweise nicht alleine, ohne zusätzliche Berechnungen und Vergleiche, angestellt werden sollte.

Der Kritik steht allerdings das Argument der Einfachheit gegenüber, denn die statische Kostenvergleichsrechnung kann einen schnellen ersten Überblick geben, welche Optionen im Rennen bleiben und welche vielleicht gleich von Beginn an ausscheiden.