Bilanzverlust

Der Bilanzverlust stellt das Gegenstück zum Bilanzgewinn dar. Ein ausgewiesener Bilanzverlust bedeutet nicht automatisch, dass das Unternehmen in Problemen steckt. Worin hier die feinen Unterschiede liegen, arbeiten wir in diesem Beitrag im Detail heraus.

Das erwartet dich heute:

Bilanzverlust und Jahresfehlbetrag – Definition und Unterscheidung

Relevant sind Bilanzgewinn und Bilanzverlust immer dann, wenn der Jahresabschluss nach teilweiser Ergebnisverwendung erstellt wird. So ist auch gleich der Unterschied zum Jahresüberschuss, beziehungsweise dem Jahresfehlbetrag, erklärt, denn diese Begrifflichkeiten würden bei dem Jahresabschluss vor Ergebnisverwendung verwendet werden. Die beiden Begriffe sind somit klar zu unterscheiden, da es sonst zu Missverständnissen über die Situation des Unternehmens kommen kann.

Der eigentliche Gewinn oder Verlust wird selbstverständlich weiterhin abseits der Bilanz, in der Gewinn- und Verlust-Rechnung, ermittelt. Ergibt sich ein Jahresfehlbetrag, kommt der Bilanzverlust ins Spiel. Denn kann der Jahresfehlbetrag nicht durch Gewinnrücklagen oder einen Gewinnvortrag aus Vorjahren ausgeglichen werden, so ist ein Bilanzverlust in der entsprechenden Höhe auf der Aktiv-Seite der Bilanz auszuweisen.
Der Bilanzverlust wirkt sich in weiterer Folge dann zudem auf die Bilanz des Folgejahres entsprechend aus.

Die Bilanz: Gewinn & Verlust

Die Bilanz und die Gewinn- und Verlust-Rechnung sind grundsätzlich getrennte Vorgänge, die beide Bestandteil des Jahresabschlusses sind. Bei der Gewinn- und Verlust-Rechnung (GuV) wird das tatsächliche Ergebnis ermittelt. Die Bilanz hingegen stellt alle Positionen, geordnet nach Kontenklassen und unterteilt in Aktiva und Passiva, gegenüber, wobei bei der Bilanz die Summengleichheit entscheidend ist um sicherzustellen, dass alle Posten korrekt erfasst wurden.

Das Resultat der GuV ist somit entweder ein Jahresüberschuss oder ein Jahresfehlbetrag. Bei der Bilanz finden Gewinn und Verlust so Eingang, als dass diese Positionen in Form von Gewinnvortrag oder Verlustvortrag jeweils ins nächste Jahr übertragen werden, um die Summengleichheit sicherzustellen. Gleichzeitig dient der hier veröffentlichte Wert auch dazu nach außen darzustellen, dass das Unternehmen beispielsweise ein schlechtes Geschäftsjahr, in dem ein Jahresfehlbetrag erzielt wird, problemlos überstehen kann, da hohe Gewinnvorträge vorhanden sind. Dieser Wert entspricht vereinfacht gesagt Rücklagen, die aus den erzielten Gewinnen im Unternehmen angehäuft werden.

Gerade bei Start-Ups sind jedoch oftmals keine Rücklagen aus Vorjahren vorhanden, die zum Ausgleich eines Fehlbetrages verwendet werden könnten. In dieser Situation wird das Stammkapital des Unternehmens herangezogen. Damit dieses nicht zu stark reduziert oder gar aufgebraucht wird, sind typischerweise Investorinnen und Investoren nötig, die eine entsprechende Kapitalaufstockung durchführen und so das Fortbestehen des Unternehmens sichern.

Wie errechnet sich der Bilanzverlust?

Am besten verständlich gemacht werden kann der Bilanzverlust durch die einfache Darstellung der Berechnung des Wertes. Diese ist denkbar einfach und illustriert auch gut den Unterschied beziehungsweise Zusammenhang zur Gewinn- und Verlust-Rechnung.

Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag sind der Ausgangswert der Berechnung. Ein vorhandener Gewinn- oder Verlustvortrag wird als erstes addiert.
Entnahmen aus vorhandenen Rücklagen werden abgezogen, neu zugewiesene („eingestellte“) Rücklagen werden addiert. Das Ergebnis ist der Bilanzgewinn beziehungsweise der Bilanzverlust.
Die relevanten Werte sind somit nur der Jahresüberschuss (bzw. Fehlbetrag), der Gewinnvortrag (bzw. Verlustvortrag) und die vorhandenen Rücklagen (oder die Zuweisung zu den Rücklagen).

Die Berechnung im Überblick:

Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag
+ Gewinnvortrag bzw. Verlustvortrag
+ Entnahme aus Rücklagen bzw. – Zufluss zu Rücklagen
__________________________________________________
Ergebnis: Bilanzgewinn bzw. Bilanzverlust

Die Berechnung zeigt, dass auch ein Bilanzverlust möglich ist, wenn es einen Jahresüberschuss gibt. Das ist dann der Fall, wenn ein Verlustvortrag aus den Vorjahren den Jahresüberschuss übersteigt. Gleichermaßen ist auch der umgekehrte Fall denkbar.

Bilanzverlust Berechnung
Nochmals in der Übersicht: So berechnest du den Bilanzverlust!

Bilanzverlust – Beispiel

Stellen wir uns vor, ein Unternehmen hat in den vergangenen Jahren schlechte Zahlen erwirtschaftet. Es liegt also ein Verlustvortrag in Höhe von € 300.000 vor. Im aktuellen Geschäftsjahr ging es bergauf, ein Jahresüberschuss von € 200.000 wurde erzielt. Trotz des hohen Jahresüberschuss ergibt sich ein Bilanzverlust von € 100.000 da noch die entsprechenden Verlustvorträge vorhanden sind.

Ein anderes Beispiel wäre, wenn es dem Unternehmen in den letzten Jahren sehr gut ergangen ist. Es konnten Gewinnrücklagen in Höhe von € 100.000 gebildet werden. Heuer laufen die Geschäfte schlechter, es kommt zu einem Jahresfehlbetrag von € 40.000 gesamt. Die Gewinnrücklagen werden somit um € 40.000 verringert, jedoch ergibt sich trotz des Jahresfehlbetrages kein Bilanzverlust, da dieser durch die vorhandenen Rücklagen abgewendet werden konnte.

Bilanzverlust buchen

Wenn ein Verlustvortrag gebucht werden soll, so erfolgt das zuerst auf das Konto „Verlustvortrag vor Verwendung“. Die entsprechende Gegenbuchung betrifft dann das Konto „Saldenvorträge – Sachkonten“.

Bei der Buchung zu beachten ist, dass Beträge bis zu einer Million Euro unbeschränkt vortragsfähig sind. Ein höherer Verlust kann mit 60% der verbleibenden Einkünfte gegengerechnet werden. Für kleine und mittlere Unternehmen ist diese Grenze also üblicherweise kein großes Thema.

Relevanter ist eine andere Hürde, nämlich die Tatsache, dass ein Gesellschafterwechsel die Buchung eines Verlustvortrages gefährden kann. Wurden innerhalb der letzten fünf Jahre Anteile von mindestens 25% des Unternehmens verkauft, so können Verluste, die zuvor entstanden sind, nicht weiter vorgetragen werden.

Werfen wir auch noch einen Blick auf die Verbuchung eines Verlust-Betrages, der in der GuV ersichtlich ist. Wenn die GuV-Rechnung einen Verlust als Ergebnis hat, so wird dieser entsprechend am Eigenkapital-Konto ersichtlich gemacht. Das Eigenkapital des Unternehmens verringert sich also um die Höhe des Verlustes. In weiterer Folge wird nun das Eigenkapital-Konto abgeschlossen, der Saldo wird wiederum in die Bilanz übertragen und so schließt sich der Buchungskreislauf endgültig.

Tipp!

Wenn es wie hier um das Verbuchen von Beträgen geht verstehst du nur Bahnhof? Kein Problem, es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen! Wenn du also erstmal einen Schritt zurück gehen möchtest, hilft dir vielleicht unser Blogbeitrag dabei weiter, Buchhaltung zu lernen!

Ist der Bilanzverlust identisch mit dem tatsächlichen Ergebnis?

Die Antwort in aller Kürze: nein, normalerweise nicht. Worin besteht also der Unterschied? Der Bilanzverlust wird grundsätzlich wie beschrieben vom Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag aus berechnet, indem diese Werte um die Rücklagen und Gewinn- bzw. Verlustvortrag korrigiert werden. Der daraus resultierende Betrag ist der Bilanzverlust – eine rein theoretische Größe, die anzeigt, welcher Betrag über ist um weiterverwendet zu werden, beispielsweise für eine Ausschüttung.

Das tatsächliche Ergebnis kann also auch sein, dass ein Unternehmen in einem Jahr einen deutlichen Überschuss erwirtschaftet hat, doch durch hohe Verlustvorträge ist der Wert des Bilanzgewinns negativ. Ein erzielter Jahresüberschuss schützt also nicht per se vor einem Bilanzverlust.

Was sind die Folgen eines Bilanzverlustes?

Welche konkreten Folgen ein Bilanzverlust mit sich bringt hängt stark von der sonstigen Situation des Unternehmens ab.

Bilanzverlust – finanzielle Folgen

Ein langjährig etabliertes Unternehmen, das einmal ein schlechtes Jahr durchstehen muss, hat üblicherweise Gewinnrücklagen angehäuft. Ein Jahresfehlbetrag kann also einfach über die Rücklagen ausgeglichen werden. Ein Bilanzverlust wäre hier ein großes Alarmsignal, um Restrukturierungsmaßnahmen einzuleiten.

Anders ist die Situation bei Start-Ups, die bewusst eine gewisse „Burn Rate“ haben, also im Wissen handeln, dass Verluste erzielt werden. Der Jahresfehlbetrag kommt hier wenig überraschend. Gleichzeitig sind keine Gewinnrücklagen vorhanden, es ergibt sich also Finanzierungsbedarf. Dieser ist bei Start-Ups üblicherweise eingeplant. Konkret bedeutet das, dass die Gründerinnen und Gründer stets versuchen müssen abzuschätzen, wie viel Kapital benötigt wird, um das Unternehmen über Wasser zu halten. Dieses Kapital wird in den meisten Fällen durch Anteilsverkäufe an Investorinnen und Investoren bereitgestellt werden. Hier ist das Ziel also nicht Bilanzverluste durch Rücklagen, die aus Gewinnen der Vorjahre gebildet wurden, abzudecken, sondern durch frisches Kapital, das von extern ins Unternehmen zufließt.

Unabhängig von der Unternehmensgröße bedeutet ein Bilanzverlust zwar nicht, dass Panik ausbrechen muss, aber doch, dass ein besonderes Augenmerk auf die Finanzen gelegt werden muss. Vorübergehende Jahresfehlbeträge können meist ausgeglichen werden, doch daraus sollte sich kein Dauerzustand ergeben.

Bilanzverlust – Signalwirkung und Imageprobleme

Abseits der finanziellen Aspekte kann ein Bilanzverlust auch etwas am Image des Unternehmens kratzen. Auch dahingehend kommt es jedoch auf die sonstige Lage an, denn während Kapitalbedarf bei Start-Ups völlig normal ist, können Mittelständler durchaus in Imageprobleme geraten.

Die Folge eines Bilanzverlustes ist schließlich auch, dass keine Ausschüttungen vorgenommen werden können. Zusätzlich gibt es den Verlustvortrag im nächsten Jahr, wodurch auch schon absehbar ist, dass auch im Folgejahr nur geringere Mittel für Ausschüttungen bereitstehen werden. Wer in ein Start-Up investiert rechnet nicht mit schnellen, jährlichen Auszahlungen. Anders ist es aber bei Aktiengesellschaften oder großen Kapitalgesellschaften, die ihren Shareholdern eigentlich regelmäßige Zuflüsse bringen sollten.

Diese negative Situation und auch die schlechte Aussicht für das Folgejahr ist bei Anlegerinnen und Anlegern natürlich nicht gerne gesehen. Deshalb tun größere Unternehmen üblicherweise dementsprechend alles, um keinen Bilanzverlust ausweisen zu müssen. Zur Not werden hier oftmals lieber Einmaleffekte erzielt, die einen potentiellen Bilanzverlust abwenden, um nicht in diese passive, schlechte Position zu geraten.

Verlustvortrag – Auswirkungen im Folgejahr

Ein gewisses Imageproblem kann in weiterer Folge auch der Verlustvortrag bei Anlegerinnen und Anlegern auslösen. Auch wenn absehbar ist, dass das Unternehmen im nächsten Jahr einen Überschuss erzielen wird und es wieder bergauf geht, muss erst der Verlustvortrag ausgeglichen werden. Die Konsequenz ist, dass weniger Kapital für Ausschüttungen bereitsteht. Die Rendite-Aussicht für Investorinnen und Investoren ist also reduziert, da nicht die Ausschüttung im Fokus stehen wir, sondern vorrangig erst der Verlustauftrag, der durch den Bilanzverlust resultiert, entsprechend abgedeckt werden muss.

Der Bilanzverlust kann schlussendlich entweder durch die Zuführung frischen Kapitals ausgeglichen werden oder über vorhandene Rücklagen. Das etwas beschädigte Image hingegen braucht womöglich etwas länger, um wieder ins Positive korrigiert zu werden.

Fazit

Der Bilanzverlust sagt nichts über den Jahresüberschuss oder den Jahresfehlbetrag, den ein Unternehmen erwirtschaftet hat, aus. Vielmehr ist er eine Messgröße, die sich in weiterer Folge unter Berücksichtigung zusätzlicher Parameter ergibt. Ein Bilanzverlust kann in vielen Situationen für Unternehmen völlig problemlos verkraftbar sein. Gerade Start-Ups sind sich meist bewusst, dass Bilanzverluste vorliegen werden.

Wichtig für Unternehmerinnen und Unternehmer ist, Bilanzverlusten mit guter Planung zu begegnen, denn schließlich muss der Bilanzverlust früher oder später ausgeglichen werden. Eine Möglichkeit ist die Bildung von Gewinnrücklagen in guten Zeiten, um bei späteren, potentiellen Bilanzverlusten gewappnet zu sein. Eine andere Option ist der Ausgleich durch neues Kapital, was voraussetzt, dass Anteile des Unternehmens verkauft werden können und auch der Wille da ist, das zu tun.

Nadine Höpf

Content Marketerin und gleichzeitig als Country Managerin für Frankreich zuständig. Nadine kann nicht nur in deutsch gehaltvolle Inhalte erstellen, sondern mühelos auch in französisch. Eine deutsche Kostprobe von ihrem Können bekommst du auf diesem Blog.