Arbeitszimmer absetzen: Alles was du zum Steuern sparen wissen musst

Zahlreiche Selbstständige und Freiberufler benötigen zur Ausübung ihrer Tätigkeit ein eigenes Arbeitszimmer. Dazu musst du allerdings nicht immer ein Büro anmieten, sondern oftmals besteht alternativ die Möglichkeit, direkt von zu Hause aus am sogenannten „häuslichen Arbeitsplatz“ tätig zu sein.
Obwohl ein solches Zimmer Teil der Wohnung oder des Hauses ist, kannst du die Kosten eines Arbeitszimmers oftmals absetzen. Die steuerliche Berücksichtigung erfolgt in der Regel über die Betriebsausgaben. Allerdings gilt es zunächst, einige Voraussetzungen zu erfüllen.

Vorteile der Nutzung eines häuslichen Arbeitszimmers

Die Nutzung eines vorhandenen Zimmers im eigenen Zuhause ist für viele Selbstständige und Freiberufler mit diversen Vorteilen verbunden. Durch den häuslichen Arbeitsplatz können beispielsweise zusätzliche Mietkosten für ein Büro eingespart werden. Zudem fallen keine Kosten für den Arbeitsweg an. Oftmals bietet ein Arbeitszimmer sogar die optimale Möglichkeit, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Nicht zuletzt ist es ein nicht unerheblicher finanzieller Vorteil, dass sich die Kosten des Arbeitszimmers als Betriebskosten steuerlich geltend machen lassen. Dies führt dazu, dass die Betriebseinnahmen bzw. der Gewinn gemindert wird, wodurch du die Steuerlast reduzieren kannst. Durch die Nutzung eines freien Zimmers in deiner Wohnung oder deines Hauses lassen sich somit viele Kosten einsparen, bei einem zugleich geminderten Aufwand.

Was ist ein häusliches Arbeitszimmer?

Bei einem häuslichen Arbeitszimmer handelt es sich um einen Raum, der vorwiegend für büromäßige oder künstlerische Arbeiten genutzt wird. In diesem Zimmer bzw. in diesen Räumlichkeiten werden zum Beispiel organisatorische, verwaltungstechnische, gedankliche oder schriftliche Arbeiten erledigt. Zudem müssen diese Räume nahezu ausschließlich für die berufliche Tätigkeit genutzt werden. Ein weiteres Merkmal für ein häusliches Arbeitszimmer ist in steuerlicher Hinsicht, dass es in den Wohnbereich eingebunden ist. Durch die Ausstattung wird der Arbeitsbereich nicht von der häuslichen Sphäre abgetrennt. Typische Arbeitszimmer, die gut eingebunden sind, sind zum Beispiel ein Raum mit Regalen und Schreibtisch eines Schriftstellers oder ein Arbeitsraum eines Künstlers. Ausstellungsräume oder Lagerräume können hingegen nicht als häusliche Arbeitszimmer gewertet werden.

Zugleich kommt es auch auf den Raum selbst an. Im besten Fall wird der Arbeitsbereich in einem separaten Zimmer eingerichtet. Ein Durchgangszimmer kann ebenso infrage kommen. Zudem gibt es Urteile von Finanzgerichten, die auch eine eingerichtete Arbeitsecke anerkannten. Demnach muss es sich nicht immer um einen geschlossenen Bereich handeln. Allerdings gibt es in Bezug auf das Arbeitszimmer sehr unterschiedliche Urteile von Finanzgerichten, sodass letztendlich der Einzelfall entscheiden kann, bis eventuelle Grundsatzurteile zukünftig vielleicht mehr Klarheit schaffen können. Im besten Fall ist dein Arbeitszimmer deutlich vom privaten Bereich abgetrennt, wodurch im Haus oder der Wohnung ein separater Arbeitsbereich entsteht. Dabei kann es sich auch um einen Raum im Dachgeschoss oder im Keller handeln.

Während in Bezug auf das häusliche Arbeitszimmer viele Voraussetzungen und Bedingungen zu erfüllen sind, gestaltet es sich bei einem Arbeitszimmer außerhalb der eigenen vier Wände einfacher, die anfallenden Kosten steuerlich geltend zu machen.

Arbeitszimmer lassen sich steuerlich absetzen

Kosten sind vollständig oder bis zum Höchstbetrag abziehbar

Die Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers lassen sich nicht immer gleichermaßen absetzen. In einigen Fällen ist es möglich, die tatsächlich anfallenden Kosten vollständig abzusetzen und in anderen Fällen wird nur ein Höchstbetrag von bis zu derzeit 1.250 Euro anerkannt. Welche Regelung bei dir angewendet werden kann, hängt von der Nutzungsweise des häuslichen Arbeitszimmers ab. Vollständig lassen sich die Kosten für das Arbeitszimmer absetzen, wenn der Raum den Dreh- und Angelpunkt deiner beruflichen Tätigkeit darstellt. Stellt das Arbeitszimmer deinen beruflichen Mittelpunkt dar, kannst du als Unternehmer alle Kosten rund um das Arbeitszimmer als Betriebsausgaben angeben.

Wird der häusliche Arbeitsplatz jedoch nur zusätzlich genutzt, weil an der üblichen Betriebsstätte kein Raum dafür vorhanden ist, sind die Kosten nur bis zum Höchstbetrag von derzeit 1.250 Euro abziehbar. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn einem Handwerker in seiner angemieteten Werkstatt kein zusätzlicher Büroraum zur Verfügung steht und er sich deshalb dazu entscheidet, ein Büro zu Hause einzurichten. Anders sieht es jedoch aus, wenn dem Selbstständigen innerhalb der Betriebsstätte ein Bürobereich zur Verfügung steht. In diesen Fällen lassen sich weitere Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer nicht mehr angeben.

Allerdings gibt es auch von dieser Regelung einige Ausnahmen zu beachten. In manchen Fällen ist es Steuerzahlern trotz eines vorhandenen Büros nicht möglich, innerhalb der Betriebsstätte zu arbeiten. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Umbauten die Nutzung des Büros verhindern. Auch gesundheitsgefährdende Baumängel oder die Lautstärke innerhalb der Betriebsstätte können dazu führen, dass ein zusätzlicher Arbeitsbereich eingerichtet werden muss. In diesen Fällen ist es ratsam, dass du Nachweise für die Beeinträchtigungen erbringen kannst, um die Notwendigkeit des zusätzlichen Arbeitszimmers darlegen zu können. Als Nachweise können je nach Fall zum Beispiel Fotos und Gutachten dienen.

Arbeitszimmer als Betriebsausgabe

Arbeitszimmer als Betriebsausgaben absetzen

Sind die Kosten für das Arbeitszimmer als Betriebsausgaben absetzbar, dann kannst du oftmals viele Posten berücksichtigen. Dabei muss es sich nicht nur um die anteiligen Mietkosten handeln, sondern es können noch viele weitere Ausgaben angegeben werden. Im Einzelnen kann es sich um folgende Kosten handeln:

  • Miete für das Arbeitszimmer
  • eventuelle Schuldzinsen
  • Kosten für Renovierungen oder Instandhaltungsarbeiten
  • Wasser- und Energiekosten
  • Reinigungskosten
  • Grundbesitzerabgaben und Versicherungsbeiträge

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Zu beachten ist dabei, dass die Kosten stets nur anteilig absetzbar sind. Bei der Berechnung der Mietkosten bedeutet dies zum Beispiel, dass die Mietkosten auf die anteilige Quadratmeterzahl des Arbeitszimmers zu berechnen sind. Die Quadratmeterzahl des Zimmers ist somit ins Verhältnis zur gesamten Quadratmeterzahl der Wohnung oder des Gebäudes zu setzen.

Beispiel:
Ein selbstständiger Unternehmer benötigt für seine berufliche Tätigkeit einen Heimarbeitsplatz. Dazu nutzt er ein 20 Quadratmeter großes Zimmer in einer 120 Quadratmeter großen Wohnung. Die Mietkosten der gesamten Wohnung belaufen sich auf 1.200 Euro. Dementsprechend kann der Unternehmer jeden Monat 200 Euro anteilige Mietkosten als Betriebskosten angeben.

Welche laufenden Kosten letztendlich berücksichtigt werden können, hängt auch davon ab, ob du Mieter oder Eigentümer bist. Während Mieter die Kaltmiete und weitere Kosten wie Reinigungs- und Renovierungskosten, anteilige Kosten für Wasser, Strom, Heizung angeben können, kannst du als Eigentümer noch weitere Kosten in Abzug bringen. Dazu zählen zum Beispiel die anteilige Grundsteuer, Gebäudeabschreibungen, einen etwaigen Erbpachtzins sowie die anteiligen Finanzierungskosten des Gebäudes.

Die Ausstattung des Arbeitszimmers

Ausstattung zählt in jedem Fall zu den Betriebskosten

Neben den laufenden Kosten kann auch die Ausstattung des Arbeitszimmers die Betriebskosten erhöhen. Eine ausschließliche berufliche Nutzung vorausgesetzt, können diese Kosten vollständig angegeben werden. Dabei kann es sich zum Beispiel um den Bürostuhl, den Schreibtisch oder den Computer handeln. Dienen die Einrichtungsgegenstände hingegen der ausschließlichen Dekoration oder handelt es sich um Luxusgüter, beispielsweise Skulpturen oder andere Kunstgegenstände, dann sind diese nicht mit anzugeben.

Arbeitsmittel, die innerhalb des Arbeitszimmers zu beruflichen Zwecken genutzt werden, können Unternehmer definitiv als Betriebskosten angeben. Das ist selbst dann der Fall, wenn das Arbeitszimmer steuerlich nicht als solches anerkannt wird. Arbeitsmittel zählen nämlich zum Betriebsvermögen des Unternehmens. Das bedeutet zugleich, dass die Kosten dafür in der Regel über die AfA abgeschrieben werden müssen. Allerdings sind Arbeitsmittel von der Ausstattung des Arbeitszimmers abzugrenzen. Während zum Beispiel der Schreibtisch, Bürostühle, Regale und die Schreibtischleuchte zu den Arbeitsmitteln zählen, gehören Deckenlampen und Vorhängen zur Ausstattung des Arbeitszimmers.

Beispiel:
Ein Künstler arbeitet vorwiegend in seiner separaten Betriebsstätte. Dort hat er jedoch nur Platz für eine Werkstatt mit angeschlossener Galerie. Ein Bürobereich steht aus Platzmangel nicht zur Verfügung. Deshalb entscheidet sich der freiberufliche Künstler dafür, ein kaum genutztes Zimmer in seiner Wohnung als Büro zu nutzen. Zu diesem Zweck kauft er sich die benötigte Büroeinrichtung, beispielsweise einen Schreibtisch, Bürodrehstuhl und Aktenschränke. Insgesamt gibt der Künstler rund 2.000 Euro für die Einrichtung aus. Zusätzlich lassen für die anteilige Miete des Raumes zuzüglich Nebenkosten jeden Monat Kosten in Höhe von 250 Euro errechnen.

Auf ein Jahr gerechnet wären dies somit laufende Kosten in Höhe von 3.000 Euro. Die Kosten des Künstlers können jedoch nicht vollständig berücksichtigt werden. Da der Bürobereich nicht den beruflichen Mittelpunkt bildet, kann er die Kosten nur bis zu einem Höchstbetrag von 1.250 Euro angeben. Die Kosten für Büromöbel können hingegen vollständig berücksichtigt werden.

Fazit: Arbeitszimmer absetzen ist häufig möglich

In der Praxis haben Selbstständige oft die Möglichkeit, ein Arbeitszimmer steuerlich geltend zu machen. Dies gilt sowohl bei Arbeitsräumen innerhalb der eigenen Wohnung oder Immobilie als auch bei „externen“ Arbeitszimmern. Allerdings gibt es einige Punkte zu beachten, das die rechtliche und steuerliche Situation nicht immer eindeutig ist.

Der Autor:

Oliver Schoch ist als gelernter Bankkaufmann über 10 Jahre in verschiedenen Bankbereichen tätig gewesen. Seit 2007 ist er als Fachredakteur freiberuflich tätig und hat sich auf die Themen Wirtschaft, Finanzen, Immobilien, Versicherungen und Steuern spezialisiert. Zur Website

Alisha Meier

Um seine Zielgruppe im Internet zu begeistern muss man kreativ sein. Alisha besitzt diese Kreativität und weiß als Content Marketerin bei sevDesk, welche Inhalte im Netz funktionieren. Im Blog beschäftigt sie sich mit sämtlichen Kreativthemen und versucht Selbstständige zu inspirieren.

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